Infothek

Zurück zur Übersicht
Recht / Zivilrecht 
Freitag, 26.06.2020

Schaden am Flugzeug: Kontrolliertes Absinken und Zwischenlandung - kein Anspruch auf Schmerzensgeld

Bedingt ein Schaden am Flugzeug das kontrollierte Absinken der Flughöhe und eine Zwischenlandung, dann begründet dies weder einen Schmerzensgeld- noch einen Schadensersatzanspruch wegen vertaner Urlaubsfreude. Allenfalls stellt die Verschiebung der Ankunftszeit einen Reisemangel dar. So entschied das Landgericht Hannover (Az. 8 O 147/18).

Ein Ehepaar befand sich auf dem Rückflug von einer Pauschalreise. Wegen eines Risses im Bereich der linken Windschutzscheibe entschied sich der Pilot die Flughöhe zu verringern, um den Druck zu reduzieren. Zudem kam es zu einer Zwischenlandung, um die Scheibe auszutauschen. Aufgrund dieses Vorfalls klagte das Ehepaar gegen die Reiseveranstalterin u. a. auf Reisepreisminderung, Zahlung eines Schmerzensgeldes und Schadensersatzes wegen vertaner Urlaubsfreude. Sie führten an, dass das Flugzeug abrupt an Höhe verloren habe und binnen weniger Sekunden von 10.000 m Flughöhe auf 5.000 m abgesackt sei. Sie hätten Todesängste gelitten und würden noch heute an schweren Panikattacken und einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden. Die Fluggesellschaft hatte aufgrund der Ankunftsverspätung eine Ausgleichszahlung in Höhe von 400 Euro pro Person geleistet.

Das Gericht entschied, es bestehe kein Anspruch auf Schmerzensgeld oder Schadensersatz wegen vertaner Urlaubsfreude. Die Beweisaufnahme habe gezeigt, dass das Flugzeug nicht abrupt und erheblich absackte. Vielmehr hätten Zeugen geschildert, dass der Pilot kontrolliert einen Sinkflug einleitete. Eine objektive Gefährdung der Flugzeuginsassen habe demnach nicht vorgelegen. Das Auftreten technischer Defekte beim Flug und eine damit verbundene Zwischenlandung zum Ausschluss einer Gefahrensituation würden zum allgemeinen Lebensrisiko gehören.

Eine Reisemangel liege hingegen darin, dass sich die Ankunft des Rückflugs um mehrere Stunden verschob. Dies rechtfertige zwar ab einer Verspätung von vier Stunden grundsätzlich eine Reisepreisminderung in Höhe von 5 % des Tagesreisepreises für jede weitere angefangene Stunde. Der Anspruch sei aber durch die Ausgleichszahlung der Fluggesellschaft erloschen.

Zurück zur Übersicht

Die Fachnachrichten in der Infothek werden Ihnen von der Redaktion Steuern & Recht der DATEV eG zur Verfügung gestellt.